von am 14. März 2013

Cover von "Die Sehnsucht ist ein anderer"Unsere Autorin Elisabeth Wirth hat einen Band mit Kurzgeschichten veröffentlicht und liest daraus am kommenden Samstag auf der Leipziger Buchmesse. Zeit für ein Gespräch übers Schreiben.

Im Dezember ist Elisabeth Wirths Erstlingswerk „Die Sehnsucht ist ein Anderer“ im Jaja Verlag erschienen. In neun Kurzgeschichten erzählt sie vom Suchen und Hadern, von Veränderung und Hoffnung. Eine Illustration von Janina Schütz leitet jede Geschichte ein.

Illustration von Janina Schütz

Eine Illustration von Janina Schütz aus dem Buch "Die Sehnsucht ist ein anderer"

Elly, beim Lesen deiner Kurzgeschichten aus dem Band „Die Sehnsucht ist ein Anderer“ überkam mich ehrlich gesagt ein eher deprimierendes Gefühl.
Elisabeth Wirth: Wirklich? So düster finde ich meine Geschichten nicht.

Naja, wenn ich mich zum Beispiel in den Maler ganz am Anfang hineinversetze, der eine andere Frau liebt als seine eigene, oder in die Erzählerin aus „Melonenbrause schmeckt wie Kindheit in Flaschen“, die am Bett ihres Vaters sitzt, der gerade einen Herzinfarkt hatte – das hat mich traurig und nachdenklich gestimmt.
Es gibt aber auch viel Hoffnung. Der Vater wacht zum Beispiel wieder aus dem Koma auf. In meinen Geschichten geht es mir darum, wie Menschen mit Konflikten umgehen. Mich interessieren die Momente, in denen sich jemand an einer Situation reibt. Ich finde es gibt nichts Optimistischeres, als wenn jemand gestärkt aus einer Krise rausgeht. Wir feiern ja eher die schönen Ereignisse im Leben, aber ich finde, es ist genauso ein Grund zu Feiern, wenn man das Tal durchschritten hat. Vielleicht hat mein Hang zu melancholischeren Geschichten auch etwas damit zu tun, dass ich insgesamt ein positiver, fröhlicher Mensch bin, und über das Schreiben eine andere Seite von mir ans Licht hole.

Spielt das für dich beim Schreiben eine Rolle, was deine Leser fühlen oder denken werden?
Ich glaube das ist nicht der richtige Weg, darüber nachzudenken, was der Leser will. Anders ist das bei meinen journalistischen Texten, da geht es mir natürlich schon darum, dass die Texte allgemein verständlich sind. Aber es ist eh interessant, wie meine Texte manchmal aufgenommen werden. Bei einer Lesung waren mal meine Eltern dabei und danach meinte jemand, dein Vater sieht aber wieder gut aus, dafür dass er einen Herzinfarkt hatte.

Die Person dachte also, alles was du schreibst, sei autobiografisch?
Genau, das kommt schon manchmal vor. Aber der Autor ist ja nicht eins mit seinem Text. Auch wenn vieles natürlich schon meiner Lebenswelt entspricht. Du schreibst immer mit deiner eigenen Brille.

Siehst du dich eher als Schriftstellerin? Oder als Journalistin?
Ich nenne mich lieber freie Autorin. Vor der Bezeichnung Schriftstellerin hab ich ganz großen Respekt.

Wie hast du mit dem Schreiben angefangen?
Ich hab immer viel gelesen. Und wenn mir als Kind langweilig war, hab ich mir oft Geschichten ausgedacht. Die erste Kurzgeschichtensammlung veröffentlichte ich mit 16 zusammen mit einer Freundin im Eigenverlag. Wir haben alles selbst gemacht. Dann gab es auch mal eine Pause, in der ich weniger geschrieben hab. So richtig habe ich wieder angefangen, als ich vor ein paar Jahren zurück nach Berlin gezogen bin. Ein Jahr lang war ich dann auch viel bei Poetry Slams.

Warum hast du mit den Poetry Slams aufgehört?
Ich finde Poetry Slams sind in Berlin sehr Comedy-lastig. Wenn zum Beispiel jemand ins Finale kommt, der drei Minuten über einen Furz geredet hat. Meine Texte sind inzwischen auch länger geworden. Da mache ich lieber bei Lesebühnen mit, lese in Buchhandlungen und Cafés.

Außerdem gibst du auch Schreibkurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Jeden zweiten Sonntag haben wir etwa hier auf neukoellner.net einen Text aus der Geschichtenmanufaktur. Was hat dich angespornt, kreatives Schreiben zu unterrichten?
Mir hat am Deutschunterricht in der Schule wirklich gefehlt, dass es auch mal um das geht, was man selber schreibt oder welche Bücher man selber gerne liest. Und was die Kinder in meinen Kursen teilweise zustande bringen, ist echt erstaunlich. Da wundern sich auch die Lehrer, wenn zwölfjährige Jungs plötzlich Liebesgeschichten schreiben. Aber was ich an den Neuköllner Schulen erlebe ist schon Wahnsinn. Eine Lehrerin sagte mal zu mir, wenn ein Schüler austickt, soll ich einfach die Polizei rufen.

Bist du je bedroht worden?
Nein. Man muss die Kids hier sehr genau anleiten und mit Beispielen erklären, was sie machen müssen. Dann kriegt man sie aber auch. In der Geschichtenmanufaktur geht es um die Frage: Wie stelle ich mir meine Zukunft vor? Die Frage wird den Schülern hier nie gestellt und da sehe ich ein großes Problem. Die Schule ist irgendwann vorbei und sie haben keine Idee, was sie machen wollen. Visionen zu entwickeln, finde ich sehr wichtig.

Auf der Leipziger Buchmesse liest Elisabeth Wirth am kommenden Samstag, 16.3., um 11 Uhr aus „Die Sehnsucht ist ein Anderer“. Mehr Infos dazu gibt es hier. In Berlin kann man sie wieder am 12.4. um 20 Uhr im LeseGlück hören und sehen. 

Die Sehnsucht ist ein Anderer
Taschenbuch, 86 Seiten
Jaja Verlag 2012
www.elly-schreibt.de

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.