Vermodert, verrottet, verfallen


Der Winterspaziergang führt auf den Mariendorfer Weg nach Südwesten. Bald steht man vor einem Areal, das kaum bewacht und sichtbar vermodert ist. Im Jahre 1917 beherbergte es noch eine Lehranstalt für Brandenburgs Hebammen. (mehr …)

Mittwoch, 16. März 2011

Aber wo viele Geburtshelferinnen, da bald viele schreiende Kinder, und so bekam Neukölln in den Sechziger Jahren eine Kinderklinik, leider im Plattenbaustil. Zweckmäßigkeit ging eben vor Ästhetik. Und im Jahr 2005 hatte das Krankenhaus schließlich ausgedient. Verfallsdatum überschritten, bitte das Gebäude räumen! Seitdem sind Ärtze und Patienten verschwunden und im ehemaligen Geburtentempel verringern Sprayer, Vandalen und Obdachlose das Langlebigkeitsrisiko der Anstalt.

Eine örtliche Visite des Geländes ist gleichzeitig eine Reise in vergangene Krankheitsgeschichten: verklebte OP-Tische, herabhängende Röntgenapparate, oder ein Personal-Casino, in dem außer leeren Pfandflaschen jedoch keine Reichtümer zu erwarten sind, warten auf den Besucher. Aber Vorsicht! Eine Taschenlampe ist in den verfallenen Gängen des Entdeckers bester Freund. Und alte Aufzüge sollten nicht auf ihre Tragfähigkeit getestet werden, sofern man nicht auf dem nahegelegenen Emmaus-Friedhof landen möchte. Gegen plötzliches Türeknallen, tierischen Besuch oder zahlreiche Ansammlungen stinkender Kothaufen sollte der Ausflügler ebenfalls immun sein, will er hier einen angenehmen Nachmittag verbringen. Doch es lohnt sich, denn die Besichtigung von schändlichem Verfall kann manchmal grausig schön sein. Hingesehen!

Kommentare:

  • Birgitt sagt:

    Super Blogpost! Ich werde da nochmal versuchen mehr zu erfahren!

  • Christine Herring sagt:

    Hallo, das ist mir im alten Neuköllner Krankenhaus passiert. Gut das es geschlossen ist. Ich bin Jahrgang 63 und mir wurden so in 69/70 im Neuköllner Krankenhaus (es gab damals mehrere uralte aus Backstein gebaute Häuser) die Mandeln rausgenommen. Es war ein einziger Horrortrip. Ich bin da hin gekommen und dann konnten die Eltern nicht mehr da sein. Ich hatte ganz lange Haare und die haben sie mir in 2 super feste Zöpfe geflochten die zum Anfang weh getan haben. Dann war ich erst in einem Zimmer mit einem anderen Mädchen und wusste gar nicht was noch alles auf mich zu kommt. Das Mädchen war zu erst dran und dann kam ich dran. Die Krankenschwester hat mich ohne Worte rum gedreht und mir eine Spritze in den Po gerammt und meinte ich soll mich nicht so haben als es weh tat. Dann bin ich abgeholt worden und da ich noch nicht ganz betäubt war konnte ich den OP sehen, denn da war noch eine andere OP und ich konnte das sehen. Es war einfach wie in einem schlechten Horrorfilm, dann habe ich Gas bekommen und bin eingeschlafen und dann wirklich in einem Horrorfilm aufgewacht. Ich musste immer wieder Blut kotzen und das nervte die Schwestern. Dann kam jemand vorbei und meckerte die Schwestern an weil um mich rum alles voller Blut war. Dar waren die Schwestern dann sauer auf mich denn sie hatten nur zu erst mein blutiges Kissen anders rum gedreht. Jetzt bekam ich Ohrpfeifen und wurde angeschrien weil ich immer noch Blut kotzte.
    Dann irgentwann dann kam ich in ein Zimmer mit so um die 5 Betten. Und jetzt fang es erst richtig an. Wir mussten uns anstellen und sagen ob man auf Klo gehen konnte und wann. Ich hatte solche Angst weil ich nicht mehr wusste wann es war und sagte ich konnte nicht, und bekam eine Pille und danach hatte ich Durchfall denn ich war ja eigentlich nicht verstopft. Dann kamen die Reinemachefrauen öfters rein und haben uns Angst gemacht. Da war ein kleines Mädchen die hieß Jenny und sie weinte immer weil sie ihre Mutti wollte. Da haben diese Frauen sie an ihren Armen und Beinen aus dem Bett gezogen und über dem Boden geschleift und gesagt wenn sie nicht aufhöre zu weinen und nach ihrer Mutti weint dann sperren sie sie in den Rattenkeller. Und zu uns sagten sie wenn wir das jemand sagen dann werde sie auch uns in den Rattenkeller einsperren und wir waren ja noch so jung und haben es geglaubt. Wir hatten so viel Angst das wir die nächsten sind die dran kommen, das wir nichts gesagt haben. Aber dann wurde das arme Mädchen abgehohlt und sie kam nie wieder. Obwohl es mir auch schlecht in dem alten Krankenhaus ging weiss ich noch wie sehr mir das kleine Mädchen leid tat.
    Als ich mir meiner Zimmernachbarin mit meinen Barbies gespielt habe und wir das heimlich wärend der Mittagsruhe gemacht hatte haben sie mir die Barbies weggenommen und sie nicht wieder gekriegt. Erst nach meiner Entlassung hat mein Papa danach gefragt und dann habe ich sie wieder bekommen. Ich hatte wärend dieser Zeit so viel Angst gehabt, dass ich halt mich nicht getraut habe vorher nach meinen Barbies zu fragen, und die Besuchzeiten waren damals nur 1 Stunde und meine Eltern hatten nicht bemerkt und ich hatte zu viel Angst ihnen was zu sagen.
    Nun kommt aber das aller schlimmste. Jemand hat an mir ohne Betäubung rum geschnippelt. Wir wurden ab uns zu untersucht und die was ich dachte Ärzte sind haben uns in ein Zimmer genommen und in unseren Rachen geschaut. Also er war ein Austauscharzt denn er war aus Afrika (und übrigends es gab auch Koreanische Krankenschwestern und die waren super nett und nicht solche Drachen wie die einheimischen Krankenschwestern), und er schaute in meinen Hals und war nicht zufrienden wie der Arzt meine Mandeln rausgenommen hat. Er nahm ein Spray und spritzte damit in meinem Rachen rum und dann nahm er eine kleine Zange und mein Rachen tat ja noch von der Mandel OP weh und er fing an mit der Zange hinten rum zu zwicken. Ich habe geschrien vor Schmerz und dann hat man mich festgehalten und noch mehr rum geschnipst. Es tat so weh und ich habe hohes Fieber gekommen. Als meine Eltern kamen haben sie gelogen und gesagt sie wüßten nicht warum ich Fieber hätte. Und wieder hatte ich zu viel Angst um meinen Eltern was zu sagen und sie selbst waren ja auch so erzogen worden (Jahrgang 37+38) nichts zu sagen und das zu tun was man ihnen sagt. Danach war ich so fertig das ich noch zu Hause krank war.
    Und als ich 15 war mußte ich mir noch mal den Rest meiner Mandeln rausnehmen lassen. Nach all dem was ich in diesem Horror Krankenhaus durchgemacht hatte mußte ich eine 2. Mandel OP haben.
    All das hat mich so traumasiert das ich bis heute super dolle Angst habe wenn ich OPs habe oder im Krankehaus bin.
    Naja, an all das mußte ich bei Eurem Podcast denken, denn damals wurden Kinder egal wo öfters Misshandelt als man denkt.
    Alles Liebe
    Christine Herring
    fishks@att.net

    LG Christine

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