von am 29. Juni 2014

DemenzDemenz verändert das Leben des Betroffenen und seiner Familie radikal. Das thematisierte eine ergreifende, aber auch humorvolle Performance im Theaterzentrum Hauser.

Als  Gunther Sachs 2011 Selbstmord beging, weil er an Alzheimer erkrankte, brach eine öffentliche Diskussion über dieses Thema los. Erfordert es mehr Mut, sich nach dieser Diagnose das Leben zu nehmen, oder sich ihren Folgen zu stellen? Demenz ist mehr als gelegentliche Vergesslichkeit im Alter. Demenz heißt, immer mehr geistige Funktionen zu verlieren. Bis von der einstigen Persönlichkeit nicht mehr viel übrig ist. Der Betroffene muss gewickelt, gefüttert, getragen werden, kann nicht mehr sprechen.

So weit ist es in der Performance „Courage – Gratwanderungen zwischen Dada und Demenz“ noch nicht. Die sieben Darsteller – allesamt selbst schon in der zweiten Lebenshälfte angekommen – spielen und tanzen sich voller Energie durch die Theaterskizzen der Regisseurin Martha Hölters-Freier, die das Stück ursprünglich zusammen mit dem Umweltbundesamt entwickelte. Im Theaterzentrum Hauser inszenierte sie das Stück mit dem Theater Zentrifuge, einer der ältesten freien Theatergruppen Berlins.

Alter braucht Mut

Schon an den Kostümen wird deutlich: Hier ist etwas durcheinander gekommen. Jacken werden als Hosen getragen, ein Hemd um den Hals gewickelt. Die Schauspieler versetzen sich in verschiedene Situationen aus dem Alltag von Demenzkranken: der Wahnsinn in den Pflegeheimen, der Besuch der hilflosen Tochter, Weihnachten im Kreise der verständnislosen Familie.

„Die dementen Menschen lehren die (angeblich) gesunden, dass es um die beiderseitige Befreiung aus sozialer Verwüstung geht“, schrieb der Journalist Heribert Prantl einmal. In diesem Sinne die Performance keine Mitleidsnummer, auch wenn sie nachdenklich stimmt. Denn vielmehr als die Kranken selbst scheint ihr Umfeld unter der Veränderung zu leiden. Die Darsteller schlüpfen gekonnt in Figuren unterschiedlichen Alters, vom Kind bis zum Greis, und machen damit deutlich: Es kann auch dich irgendwann treffen. 1,2 Millionen Menschen leiden derzeit in Deutschland unter Demenz. 2030 werden es vermutlich 2,5 Millionen sein. Wenn die Gesellschaft immer älter wird, müssen wir unseren Umgang mit den Folgen des Alters ändern. Und das wird Courage erfordern.

Das Stück wurde einmalig am Freitag aufgeführt. Im Theaterzentrum Hauser, RIC-15, Schudomastr. 32, finden heute noch die Performances „Ich habe nichts getan“ (15.30 Uhr) und die szenische Lesung „Keine Wahl nur Mut“ (17 Uhr) statt.

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