von am 7. Juli 2017

Hin und weg vom "Hofreitertony", Foto: Josef CramerFür ihre Show sucht, findet und bequatscht Simi Simon ihre Fame-Gäste stets in Eigenregie. Wie genau sie dabei vorgeht und welche Gedanken sie dabei plagen und quälen, berichtet sie ab sofort und exklusiv in dieser Kolumne. Simi Will: Anton Hofreiter.

Foto: Josef Cramer

Es muss einer dieser Donnerstagabende im Valentinstueberl gewesen sein, als ich mal wieder Inspiration vom Stammgast suchte. Guter Dinge und leicht beschwingt trat ich meinen Tresendienst an, denn es hatte am Nachmittag einen Chat mit der großartigen Bettina Rust gegeben. Und: Sie hatte signalisiert demnächst bei Simi Will dabei zu sein. Famekontakt – endlich wieder.

Auf der Suche nach Gegengeschlechtlerfame fragte ich in die Kneipenrunde: „Hat jemand ’ne Idee, wen ich demnächst mal zur Show einladen könnte?“ „Romano“, „Martin Sonneborn“, „Serda Somuncu“, „Klaus Kleber“ – ich notierte. Coole Typen mit Fame und Street Credibility. „Was ist mit dem Hofreiter Toni“ hallt es von Tisch 5 rüber. „Hofreitertony?“ – och nö. Fußballer können nicht gut reden und haben nix Spannendes zu erzählen, denk ich noch, aber erstmal gucken, wie der so aussieht. Das Auge… Ihr wisst schon.

Google: Hofreitertony

Ups. Ein kräftiger langhaariger Germanen-beim-Ting-Typ. Süßes Lachen, Bayer UND Frontrow-Politiker – interessant, wirklich interessant! „Der Toni ist doch lahm und die Grünen braucht auch kein Mensch mehr“ ruft jemand ‚rein, aber ich bin weg. Hin und weg. Die Grünen hatte ich zwar auch lange nicht mehr auf dem Schirm, aber „Hofreitertony“, das klingt so nice, gemütlich und freundlich. Und diese Haare…

Doch ich rechne mir wenig Chancen aus. Die Bundespolitik ist zu weit weg vom Valentinstueberl, die kennen Neukölln nur aus den Nachrichten und haben womöglich Angst. Am späten Abend schaut die „Teuerste“ aus der Nachbarschaft noch rein. Sie kommt gerade aus ihrer Donnerstagssauna mit dem Kaminer vom Prenzlberg und will sich noch ein Betthupferl Wodka reintun. Die macht doch was bei den Grünen, fällt mir ein. „Ach, der Hofreitertoni, der ist ein prima Typ“, entgegnet sie, „solltest Du unbedingt anfragen, Werteste. Der kann nicht gut ARD und ZDF, aber in Kneipe ist der super.“

Die Fameoffensive

Tagsdrauf starte ich meine Fameoffensive. Ich such mir ein paar Kontaktadressen raus, in denen irgendwas mit Bündnis90/Die Grünen und Hofreitertoni vorkommt und schreibe:

Lieber Hofreitertony, liebes Grünenteam,
Neukölln will den Hofreitertoni, www.simiwill.de, Eckdaten und ja, wegen Wahljahr und „Politik wird in der Kneipe gemacht“ und so. Wir streamen live und senden auf Alex Berlin, das volle Programm und raus damit.

Wenige Tage später erreicht mich tatsächlich ’ne Mail aus dem Bundestag. Eine Dame mit kompliziertem russisch-klingenden Namen schreibt, dass Herr Doktor Hofreiter gerne bereit wäre, zu uns ins Valentinstueberl zu kommen. Da bin ich platt. Never ever hätte ich damit gerechnet. Politfame hatte ich ja seit der Frau Bürgermeister nicht mehr auf dem Kneipentisch. Und diesmal ein Mann aus der ersten Reihe. Sofort startet mein Kopfkino: Wandern in den bayerischen Alpen, eine Skihütte, unberührte Natur, roter Teppich, Party im Bundestag, was ziehe ich an undundund. „Herr Hofreiter ist in der Woche vor der Show in der Arktis und landet am Sonntag den 14. Mai gegen 12:00 in Tegel. Er wird es dann zu 13:00 zu Ihrem Drehtermin schaffen“, lese ich weiter.

Redfordbridgesfantasien am See

Aufregung total: Wird er mit schwarzer Limousine und Bodyguard auftauchen? Müssen wir besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen? Was ist bei einem Politiker dieser Kategorie zu beachten? Bisschen nervös macht mich das Ganze jetzt schon.

In der Woche vor unserem Drehdate ziehe ich mir nahtlos alles rein, was das Netz über Dr. Anton Hofreiter hergibt. Ich werde immer beeindruckter und – wie sonst auch – finde diesen männlichen Gast immer aufregender. Und wenn ich genau hinschaue, hat der Mann auch irgendwo Ähnlichkeit mit Jeff Bridges oder nein, er ist eine perfekte Mischung aus Robert Redford und Jeff Bridges. Oder nicht? Aufgrund der Redfordbridgesfantasie seh ich als Set für unser Video: Einen See, der Tony und ich in einem Ruderboot, die Sonne scheint – aber der Wetterbericht macht mir einen Strich durch die Rechnung und wir drehen in der Heinrich Böll Stiftung.

Am Drehtag, es ist Muttertag, ist mein Kopf derart voll mit Politiker-Klischees vermischt mit Hollywood-Fantasien, dass ich bei unserer Erstbegegnung wie hysterisch auf den Herrn Hofreiter einrede: Was ich mir alles im Vorfeld gedacht habe und dass ich überrascht bin, ihn ohne Bodyguard zu treffen. Wie unglaublich das ist, dass er mit dem Fahrrad auftaucht undundund.

Der Tony lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, steht Rede und Antwort, macht alles mit und ist einfach bezaubernd. Real noch viel besser, finde ich. Kurzzusammenfassung: Ein gestandener, unverstellter Bayer, der nicht von sich behauptet selbstironisch zu sein, enorm gut zuhören kann und nicht versucht cooler zu sein, als er ist. Ein Doktor der Biologie, der mit der Machete im Regenwald unterwegs wunderschöne Blumenarten entdeckt hat und im Freizeitbereich gerne Pralinen selbst macht.

Mehr von Simi Will? Hier geht’s zur Homepage und hier zur Facebookseite.

 

 
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