von am 9. Juni 2015
Viele Geflüchtete wünschen sich ein größeres Angebot an Deutschkursen.

Viele Geflüchtete wünschen sich ein größeres Angebot an Deutschkursen.

Der Überfluss macht es möglich. Viele Berlinerinnen und Berliner haben in den letzten Monaten Kleiderschränke, Abstellkammern und Kinderzimmer durchforstet und ordentlich ausgemistet. Zusammengekommen sind tonnenweise Kleidung, Schuhe und Kinderspielzeug – für Geflüchtete in Berlin. Doch wie sieht es mit Zeit aus?

Text und Foto: Lukas Schulte

Diskriminierung und Rassismus sind in Ämtern und bei der Wohnungssuche noch immer an der Tagesordnung. Fehlende Deutschkenntnisse und die komplizierte Bürokratie tun das übrige, um Geflüchteten den Alltag in Berlin zu erschweren. „Die Präsenz einer Muttersprachlerin oder eines Muttersprachlers kann häufig schon den Unterschied machen,“ erklärt Titus vom Bündnis Neukölln. Besondere Qualifikationen oder Erfahrungen seien nicht notwendig. Jede Unterstützung sei besser, als wenn Personen den Behörden allein und ohne Sprachkenntnisse gegenübertreten müssen. Titus sucht daher „Freiwillige, die Lust haben, Geflüchtete bei Behördengängen, Arztbesuchen und anderen Herausforderungen des Alltags zu begleiten.“

Jede Unterstützung hilft

Die Geflüchteten in den beiden Neuköllner Unterkünften im Mariendorfer Weg und in der Haarlemer Straße brauchen Unterstützung von Menschen, die bereit sind Zeit zu spenden. Sei es für die Begleitung zum Amt, bei der Wohnungssuche. Die Flüchtlingshilfe Britz hat eindrücklich belegt, wie Geflüchtete bei der Wohnungssuche diskriminiert werden. Auf dem engen Berliner Wohnungsmarkt ist die Wohnungssuche unter diesen Umständen nahezu unmöglich. Die Flüchtlingshilfe Britz versucht daher, kleine Unterstützungsteams zusammenzustellen, die den Geflüchteten bei der Wohnungssuche helfen.

Mit der Unterstützung von Muttersprachlern hätten viele Geflüchtete bessere Chancen bei der Wohnungs- und Jobsuche.

Mit der Unterstützung von Muttersprachlern hätten viele Geflüchtete bessere Chancen bei der Wohnungs- und Jobsuche.

Deutsch wäre meine sechste Sprache

Der Deutschkurs in der Unterkunft im Mariendorfer Weg ist gut besucht. Auch über das Ende der Stunde hinaus stehen Geflüchtete aus Syrien und dem Kosovo an der Tafel und erklären sich gegenseitig die neuen Wörter und Sätze. „Ich bin Elektriker, aber ohne Deutsch ist es schwer eine Arbeit zu finden“, erklärt ein Geflüchteter aus dem Kosovo. Er würde sich freuen, wenn es mehr Deutschkurse in der Unterkunft gäbe. Neben Albanisch, Serbo-Kroatisch, Russisch, Englisch und Italienisch wäre Deutsch für ihn Sprache Nummer sechs. „Für den Mariendorfer Weg suchen wir dringend Personen, die Alphabetisierungskurse anbieten und für die Haarlemer Straße einen Raum, in dem Fahrräder gelagert werden können,“ erklärt eine Sprecherin vom Bündnis Neukölln. Grundsätzlich sei aber jedes Engagement und jede Idee willkommen.

Auch wenn der Mariendorfer Weg inzwischen in Kleiderspenden ertrinke, wie eine Mitarbeiterin erklärt, werden nach wie vor Sachspenden benötigt. Zur Zeit vor allem eine Tischtennisplatte, verkehrstüchtige Fahrräder oder Kinderhochsitze. Wer sicher gehen möchte, dass seine Spende auch gebraucht wird, erkundigt sich am besten vorher in der Unterkunft.

Wenn Du Zeit spenden und dich engagieren möchtest, kannst Du dich an diese Kontakte wenden:

Unterkunft Mariendorfer Weg 9
Begleitung von Geflüchteten zu Behörden, Ärzten und Co.: begleitungen@systemli.org
Kinderbetreuung, Alphabetisierungskurse, Freizeitprogramm und andere Ideen: buendnisnk@aol.de

Unterkunft Ecke Haarlemer Straße/Späthstraße
Unterstützung bei der Wohnungssuche: wohnungssuche@lists.riseup.net
Anderes Engagement oder Lagerraum für Fahrräder: fluechtlingshilfe@britzerinitiative.de

 

Au ja, ich spende via: PayPal | Überweisung | Bankeinzug | Flattr

 

 

Ein Kommentar:

  • Wiebke sagt:

    Habt Ihr noch andere Kontaktadressen für die Hilfe bei der Wohnungssuche? Hatte mich bei der angegebenen Mailadresse gemeldet, bekam aber eine Fehlermeldung zurück (anscheinend muss man bei der Liste angemeldet sein, bevor man sie anschreiben kann). Das wäre super! Vielen Dank, Wiebke

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