von am 9. September 2012

„Was wird in unserem Kiez geschaffen?“ – das Projekt „Hecho em Kiez“ stellt sich dieser Frage und startet einen Austausch zwischen zwei Kiezen in Berlin und Bogotá. Ein Erfahrungsbericht.

Am Ende standen alle nur noch vor dem Bildschirm des Laptops, auf dem wir per Skype mit Belén verbunden waren, und redeten gleichzeitig ins Mikrophon hinein. Man hätte sich keinen besseren Projektauftakt vorstellen können.

Bei „Hecho em Kiez“ handelt es sich um ein Austauschprojekt zwischen dem Schillerkiez und Belén, einem Viertel im Zentrum von Bogotá, Kolumbien. Im Zeitraum vom 8. September bis zum 6. Oktober 2012 werden sich Erwachsene, Jugendliche und Kinder aus beiden Kiezen mit der Frage „Was wird in unserem Kiez geschaffen?” auseinandersetzen und mit Bildern, Videos, Texten und Musik zum Ausdruck bringen. Eine Dokumentationsarbeit, bei der die Interaktion mit dem geteilten Lebensumfeld und der Austausch mit einer Partnergruppe in einem anderen Kontinent im Mittelpunkt stehen sollen.

Der Hintergrund

Ursprünglich war angedacht, dass sich alle am Projekt Teilnehmenden in ihrer Recherchearbeit und Interviews auf die produktive Kraft des Kiezes konzentrieren sollten: Was wird produziert? Von wem? Welche Geschichten stecken dahinter? Aber im Verlauf der Gespräche mit den Kooperationspartnern im Schillerkiez entwickelte, bzw. erweiterte sich diese Absicht zu einer offeneren Herangehensweise, die der oben genannten mehrdeutigen Leitfrage nach dem im Kiez Geschaffenen entspricht. Im Prinzip passt hier alles rein. Und das ist auch gut so!

Die Grundannahme hinter dieser Projektarbeit ist, dass wenn jemand beginnt, sich mit seinem Umfeld auseinanderzusetzen, an Türen zu klopfen, mit Menschen zu reden, Sachen zu hinterfragen, dann verändert sich auch seine Zugehörigkeit zu diesem Umfeld. Das ist eines der wesentlichen Ziele dieses Projektes. Der Übergang von der passiven Wahrnehmung zur aktiven Teilnahme und Teilhabe.

Auf der anderen Seite, ist auch jede Art der Präsentation des eigenen Kiezes ein Weg, um in den Dialog mit Menschen aus einem anderen Kiez zu kommen, die sich der gleichen Aufgabe stellen. Daher ist die aktuelle offene Konstellation des Projektes sogar viel interessanter, als wenn es eine klare vordefinierte Richtung gäbe. Und wie der gestrige Tag zeigte, ist die Motivation hoch und die Ergebnisse versprechen vielfältig und überraschend zu sein.

Der Projektauftakt

Die Skype-Konferenz zwischen den beiden Kiezen diesen Samstag, die den offiziellen Projektstart bedeutete, war die erste Gelegenheit für die Partnergruppen sich „persönlich“ kennenzulernen. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen, die Neugier und die gute Laune. Die anfängliche Spannung löste sich gleich in den ersten Minuten wieder auf: eine hemmungslose Vorstellung der Beteiligten und ihrer Kieze wurde durch immer mehr Lachen eingebettet.

Beide Gruppen erfuhren viel über die historischen Hintergründe und die soziale Gegenwart des Partnerkiezes. Sogar einen Rundgang durch und um beide Räumlichkeiten gab es.

Somit endete eine mehrwöchige Vorbereitungsphase, in der sich in beiden Kiezen Netzwerke bildeten, um dieses erste gemeinsame Projekt durchzuführen. An dieser Stelle kann auch schon verraten werden, dass dieses binationale Netzwerk auch konkrete zukünftige Ziele vor Augen hat, die einen physischen Austausch beinhalten. In anderen Worten, in Abhängigkeit der Erfahrungen mit diesem ersten Versuch, steht ein gegenseitiger Besuch der Partnergruppen in Aussicht.

Aber auch ohne dieser Zukunftsperspektive, ist das bisher Erreichte ein großer Erfolg, der einen Start in die kommenden Projektwochen mit sehr gutem Gefühl ermöglicht. Ab Montag beginnt nun die erste Phase der Dokumentationsarbeit, die mit einem zweiten gemeinsamen Treffen am 22. September endet. Hier werden dann einzelne Erfahrungen ausgetauscht und hoffentlich wird noch mehr gelacht. Darauf folgen weitere zwei Arbeitswochen und ein abschließendes Treffen am 6. Oktober.

Während des gesamten Projektzeitraums wird ein gemeinsames Blog geführt, auf dem alle Ergebnisse – Bilder, Videos, Texte, Tonaufnahmen – gesammelt werden. Nach Projektende wird die Dokumentation des gesamten Prozesses im Schillerkiez und in Belén öffentlich vorgestellt. Bis dahin, sind alle herzlich eingeladen den Projektverlauf im Blog zu verfolgen.

Und noch wichtiger! Wenn noch Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene Lust und Laune haben sich zu beteiligen, sind sie AUSDRÜCKLICH EINGELADEN!

 

Kontakt und nähere Infos zum Projekt und den beteiligten Partnern unter:

Blog: http://hecho-em-kiez.tumblr.com/

Facebook: https://www.facebook.com/HechoemKiez

E-Mail: hecho.em.kiez@gmail.com

 

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