von am 1. Februar 2018

Foto: Ferat Kocak

 

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kam es in Britz und Rudow erneut zu zwei Brandanschlägen auf Autos. Getroffen hat es zum wiederholten Male den Buchhändler Heinz Ostermann sowie Ferat Kocak, Vorstandsmitglied der Linken Neukölln. Die Vermutung, es könne sich um rechtsmotivierte Anschläge handeln, liegt nahe.

Die Kombination aus Supermond, Blaumond und Mondfinsternis in der Nacht zum 1. Februar konnte man in Neukölln zwar nicht sonderlich gut sehen, zu dicht war die Wolkendecke. Dafür wurde es aber andernorts ziemlich hell. Der Grund dafür ist allerdings kein extrem seltenes Himmelphänomen – es brannten wieder einmal Autos und erneut traf es Menschen, die sich offen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit positionieren.

Nachdem im Dezember 2016 die Scheiben seiner Buchhandlung „Leoprello“ von mutmaßlichen rechten Straftätern eingeworfen und im darauffolgenden Januar 2017 sein Ford Focus in der Nähe seiner Haustür angezündet worden waren, brannte heute Nacht in Britz bereits der zweite Wagen von Heinz J. Ostermann. Ostermann, der in einer Stellungnahme auf Facebook angibt, er würde offenbar verfolgt und beobachtet, sehe jedenfalls keinen Grund dafür, sein politisches Engagement einzuschränken. Der Wagen des Buchhändlers, ein Peugeot, brannte komplett aus. Die herbeigerufene Feuerwehr löschte die Flammen. Ostermann äußerte sich am Telefon unzufrieden aufgrund ausbleibender Ermittlungsergebnisse.

„Feiger Angriff auf jemanden, der mit Büchern handelt“

Die Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) zeigte sich in ihrer Stellungnahme auf Facebook entrüstet über den erneuten Angriff auf Ostermann. „[…] Heute Nacht wurde sein Auto in Rudow angezündet. So ein feiger Angriff, auf jemanden, der mit Büchern handelt und sich an vielen Stellen in Rudow ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagiert, ist wirklich das Letzte.“ Ihre Pressesprecherin, Frau Wein, ergänzte, dass die Bürgermeisterin den Anschlag auf Herrn Kocak sowie generell Anschläge auf Politikerinnen und Politiker ebenfalls verurteile und fügte hinzu, dass Gewalt niemals ein Mittel politischer Auseinandersetzung sein könne. Die Bürgermeisterin erweiterte ihr Statement im Laufe des Nachmittags und nahm auch Bezug auf Ferat Kocak; sie habe vom Anschlag auf den Linken-Politiker erst später erfahren.

Die Sprecherin der Linken Neukölln, Lucia Schnell, gab gegenüber neukoellner.net an, dass das Auto des Linken Neukölln Vorstandsmitglieds Ferat Kocak ebenfalls komplett ausgebrannt sei, die Polizei gehe von Brandstiftung aus. Die Pressestelle der Polizei bestätigte diese Aussagen. Der Wagen, ein Smart, befand sich unter einem Carport. Ein davor stehender Mercedes wurde durch die starke Hitzeentwicklung ebenfalls beschädigt. Ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus sei nur durch das eigenständige Löschen verhindert worden, wodurch Schlimmeres verhindert wurde. „Der Gasverteiler war auch direkt hinter einer Wand vom Feuer entfernt. Wir sind mit viel Glück dem Tod 5 Minuten voraus gewesen“, gibt Kocak an.

Staatsschutz nimmt Untersuchungen auf

Die Linke Neukölln spricht in einer Stellungnahme auf Facebook von einem versuchten Mordanschlag und fordert den Innensenator auf, endlich zu handeln. Kocak selbst äußert sich ähnlich: „Das war versuchter Mord und ein Anschlag auf die Vielfalt und Demokratie in Neukölln, Berlin und Deutschland.“ Er wolle sich ebenfalls nicht unterkriegen lassen und habe nun einen neuen Slogan: „Solidarität statt Nazi-Terror! Jetzt erst recht!“.

Foto: Ferat Kocak

Die im Januar 2017 einberufene Ermittlungsgruppe RESIN (Rechte Straftaten in Neukölln) hat indes noch keine Fahndungsergebnisse geliefert, mehrere Anfragen diesbezüglich blieben aus ermittlungstechnischen Gründen bisher unkommentiert. Der Staatsschutz hat die Untersuchungen aufgenommen.

Für den morgigen Abend planen das Bündnis Neukölln und der Ortsverband der Linken eine gemeinsame Kundgebung vor dem Rathaus.

 

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