von am 22. Juli 2016
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Die Preise im THF Café sollen Geflüchtete nicht abschrecken und auch für Berliner fair bleiben. (Bild: Jan-Jonathan Bock)

Das THF Café in der Flüchtlingsnotunterkunft auf dem Tempelhofer Feld will Flüchtlinge, Berliner und Ehrenamtliche zusammenbringen. Vor drei Monaten startete das Projekt mit einer vielversprechenden Eröffnungsfeier. Einige Wochen später scheint die Anfangseuphorie verflogen zu sein.  

Text: Lisbeth Schröder
Fotos: Jan-Jonathan Bock

„Haben Sie eine Genehmigung?“ Die Frage überrascht uns nach einem Toilettenbesuch. Hier dürfen wir uns nicht aufhalten, denn das Klo im Hangar ist schon verbotenes Gebiet. Wir sind in der Flüchtlingsnotunterkunft in Tempelhof, in der zur Zeit über 2000 Menschen hausen. Am 28. April hat hier, am Übergang der Außen- zur Hangarwelt, das THF-Café eröffnet, ein Raum, in dem sich Berliner und Flüchtlinge begegnen können. Bei der Eröffnungsfeier sagt Ulrike Kloß, die Pressesprecherin des Initiatorvereins THF Welcome e.V.: „Wir versuchen Mauern aufzubrechen“. Und sie führt auch aus, wie sie das genau gemeint: „Es soll eine Kontaktstelle für Geflüchtete werden. Viele, die hier ankommen, fragen sich, wie sie mit Berlinern in Kontakt kommen können.“

Kühne Träume der Organisatoren

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Bei der Eröffnung war der Andrang groß. (Bild: Jan-Jonathan Bock)

Um den Austausch zu erleichtern, betreiben Berliner und Geflüchtete das Cafè gemeinsam. Zum alltäglichen Betrieb sollen nach und nach Veranstaltungen wie Diskussionsrunden oder Konzerte hinzukommen. Der Auftakt Ende April ist denkbar vielversprechend: Syrische Musik mit Trommeln, Rasseln und Gitarre füllen am Eröffnungsabend den Raum. Überall stehen Menschen, trinken einen Kaffee oder essen Baklava. Fast alle unterhalten sich, entweder in ihren kleinen Gruppen oder wie es sein soll: im Austausch mit Fremden. Die Ecken des Raumes füllen eine Bühne mit den beiden Musikern, eine Bar, eine Sitzecke und eine Asylothek. Diese Asylothek ist eine kleine Bücherei für Geflüchtete. Die Bücher handeln beispielsweise von Berlin oder Märchen. Könnte so eine ideale Begegnungsstätte aussehen?

Gähnende Leere und Überwachung

Einige Wochen nach der Eröffnung: Wir laufen wieder zu den Hangars. Vorbei an der Einlasskontrolle, durch massive Eisentüren. Entlang des Sandsteingebäudes, das einst von den Nazis errichtet wurde. Das THF Welcome-Café befindet sich im Hangar vor den riesigen Hallen. Wir betreten es. Vor uns verbreitet sich: Leere. Nur sechs Menschen geistern umher, zwei davon sind Securities und zwei Barmänner. Die Asylothek ist gerade geschlossen.

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In der Asylothek gibt es neben Kinderbüchern und Berlin-Führern auch arabische, persische und deutsche Literatur. (Bild: Jan-Jonathan Bock)

Dafür wurden weitere Holzregale, gefüllt mit Büchern, in der Mitte des Raumes errichtet. Ansonsten sieht alles gleich aus – bis auf die Stimmen, die Musik… die Begegnungen. Das Café öffnet an den meisten Tagen zwischen 13 und 19 Uhr. Die zwei Geflüchteten hinter der Bar putzen gerade die Kaffeemaschine. Die Presslufthämmer der Baustelle nebenan erschallen in monotonem Klang. Kurz nach unserem Erscheinen versuchen die beiden Barkeeper Musik anzuschalten. Einer von ihnen lächelt uns an, hält sich mit seinen Worten aber sehr zurück. Er berichtet, dass das Café etwa 15-20 Gäste am Tag zählt, „so 20 Prozent davon sind von außerhalb.“ Also vier pro Tag. Seinen Namen will er nicht gedruckt sehen. Nach etwa 20 Minuten fragt ein Security, ob wir eine Genehmigung hätten. Haben wir nicht. Nach einem kurzen Telefonat ist es okay. Jedoch gerät der Barkeeper ins Stocken. Er erzählt nur noch, dass es immer Journalisten gäbe, denen direkt bei Interviews von „Tamaja“-Leuten über die Schulter geschaut würde. Er hat Angst, dass die Securities in mein Notizbuch schauen.

Endlich duschen

Tamaja“ ist die Firma, die die Unterbringung organisiert. Sie wirft ein Auge auf die Berichterstattung. Diese war nicht nur positiv in den letzten Monaten: „Wir hatten keine Dusche und mussten immer auf einen Bus warten, der uns zu den Waschräumen brachte“, erzählt der Barkeeper über die frühere Situation. Erst vor Kurzem eröffneten zwei Hangars mit Duschen und kleinerer Zimmerbelegung. Acht statt zwölf Leute pro Schlafraum sollen die angespannte Situation lösen. Ein Teil der Geflüchteten wurde schon umgesiedelt. Die Suche nach Sanitäranlagen gestaltet sich auch für uns schwierig: Eine normale Toilette, in die wir dürfen, gibt es auch nicht. Denn diese steht kurz hinter dem Café, knapp im Herzen des Hangars. Hierfür bräuchten wir eine Genehmigung. In dem Hangar mit der Toilette waren bei der Eröffnung noch Geflüchtete untergebracht, nun stehen dort hunderte Tische und Stühle, wie in einem Biergarten. Hier werden die Geflüchteten später essen. Die Dixi-Klos vor dem Café schaffen zwar Abhilfe, erschweren aber sicherlich die Kommunikation: Nicht Jede(r) ist hartgesotten und wird sie benutzen. Die zwei Sicherheitsschleusen zum Café wirken auch nicht einladend.

Günstiger Kaffee und Filmabende

Allerdings sind Getränke, insbesondere Kaffee günstig (20 Cent für Geflüchtete, 1,50€ für Berliner) und viele gemütliche Sofas und Sessel verschönern den Raum. Neuerdings werden auch Filmabende angeboten. Ein paar der Bücher sind gerade ausgeliehen. Vielleicht von ein paar Geflüchteten, um die Stadt zu erkunden? Die Initiatoren des Cafés sagen, sie wollen einen „Ort der Begegnung“ schaffen. Das THF-Café birgt dieses Potential, aber es liegt an den Menschen es zu nutzen. Genauso wie es an den Menschen liegt, ganz Berlin in solch einen Ort zu verwandeln.

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