von am 6. Mai 2015

Ein Running-Dinner-Konzept aus Neukölln ist so erfolgreich, dass es nun Anhänger in der ganzen Republik hat. Am 9. Mai feiert „Auf Haxe“ seinen fünften Geburtstag. Zeit für eine kleine Würdigung.

Von Marina Strauß / Fotos & Grafiken: Philipp Günther, Privat

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Nicht Johann Lafer aber Philipp Günther

Das Prinzip von „Auf Haxe“ ist einfach: Wer auf Haxe will, schnappt sich einfach seine Mitbewohnerin oder einen Freund und überlegt, wo er im „Haxen“-Radius – alles innerhalb der Berliner Ringbahn – seine Gäste bewirten könnte. Im Laufe des Abends kommen Vorspeise, Hauptgang und Dessert auf den Tisch. Jedes Team empfängt für einen Gang zwei unbekannte Pärchen. Für die anderen beiden Gänge ist man selbst Gast und wird bekocht. Drei Gänge à zwei Personen – am Ende des Abends hat man also schon zwölf neue Leute aus seiner Nachbarschaft kennengelernt. Wer welchen Gang vorbereitet und wer wen kulinarisch verwöhnt, lost „Auf Haxe“ aus. Ein Algorithmus bringt dabei Teams zusammen, die möglichst nahe beieinander wohnen. „Wir betrachten Nachbarschaft nicht als etwas, das räumlich einfach da ist, sondern als fragile soziale Errungenschaft, die gepflegt werden will“, erläutert „Haxe“-Gründer Philipp Günther den Grundgedanken des Projekts. Wenn sich dann alle den Bauch vollgeschlagen haben, trifft man sich  in einer Bar, um bis in die frühen Morgenstunden die Haxen zu schwingen.

Chili von Arne

Als Philipp 2010 in den Schillerkiez zog, sah das noch anders aus. Heute schleicht zwischen Hermannstraße und Tempelhofer Feld bekanntermaßen gerade das berüchtigte Gespenst der Gentrifizierung umher. Doch damals suchte man dort vergeblich nach hippen Cafés und der Park auf dem Gelände des geschlossenen Flughafens war auch noch nicht zugänglich. Nach seinem Einzug, beobachtete Philipp Tag für Tag, wie neue Umzugswägen heranrollten und mehr und mehr junge Menschen ihre Möbel die Treppen hoch schleppten. „Ich fand es schade, einfach nur so anonym nebeneinander her zu leben“, sagt Philipp. Um das zu ändern, gründeten er und ein ehemaliger Kommilitone „Auf Haxe“.

Nachdem das Konzept stand, musste noch ein passender Name her. Die Gründer grübelten Wochen lang, wie man mit wenigen Worten die Idee vermitteln konnte – Treffen, Essen, Dancen. Ein erstes Ergebnis war: „Chili von Arne“. So richtig zufrieden war man damit nicht. Die Wortspiele wurden weiter getrieben. Bei einem Abendessen jonglierte ein Freund mit bayerischen Wortgebilden, kam so von „Haxenhaus“auf „Auf Haxe“. Allen gefiel der Name und es blieb dabei.

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Essen aus dem Kofferraum

„Die erste Haxe haben wir mit 50 Teilnehmern  in Kreuzberg und Neukölln organisiert“, erinnert sich Philipp. Eine Frau, die nicht in diesem Haxen-Radius wohnte, reichte den Nachtisch dann einfach im Blumenladen ihrer Eltern. Und ein anderes Team bediente seine Gäste aus dem Kofferraum seines Autos. Damals losten die Haxen-Gründer noch alles per Hand aus – eine Riesenarbeit. An einem anderen Haxen-Abend stand die Mutter eines Freundes mit hinter dem Herd und war so begeistert, dass sie Idee unbedingt auch mit ihrem Chor umsetzen wollte. „An diesem Punkt wurde uns klar, dass wir programmieren müssen, um Auf Haxe möglichst vielen Leuten zugänglich machen zu können“, so Philipp. Mithilfe einer EU-Projekts  „Jugend in Aktion“ und der ehrenamtlichen Mitarbeit eines Programmierers ist ihnen das inzwischen  gelungen.

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Nix mit Tinder plus Menu

Die Treffen sind nicht als Dating-Plattform gedacht und keiner muss ein Drei-Sterne-Menü auf den Teller zaubern, um teilnehmen zu dürfen. Hauptsache die Atmosphäre stimmt und das Essen ist lecker. „Wir hatten auch schon Buchstabensuppe oder Bowle“, meint „Auf Haxen“-Chef Philipp. Die Kerngruppe der „Haxen“-Liebhaber ist Mitte 20 bis Anfang 30, aber von 18 bis 60 Jahren ist alles dabei. Das Konzept kommt an.

Inzwischen schwingen bei den Running Dinners, die in Berlin viermal im Jahr stattfindenden, stets um die 150 Leute den Kochlöffel, meint Philipp der immer noch jedes Mal dabei ist –  „Dann weiß ich wieder, warum ich das alles mache“, sagt er und lacht. Im letzten Sommer hat der 30-Jährige sein Studium in Europäischer Medienwissenschaft abgeschlossen. Bis jetzt hat Philipp, nach eigener Aussage, kein Geld mit seinem Running-Dinner-Konzept verdient, und hat es auch nicht vor – „Auf Haxe hat als Hobby angefangen und wird auch eines bleiben.“

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Die „Haxen“ wachsen

Mittlerweile gibt es die Haxen nicht nur in Berlin, sondern auch in 24 weiteren deutschen Städten „Auf Haxe wächst gerade, ohne dass wir wirklich etwas dafür tun“, freut sich Philipp. Pro Stadt bekommen lokale Initiatoren, allein oder in der Gruppe Zugriff auf die Plattform, mit deren Hilfe sie die Abende ohne viel Aufwand planen zu können. Neue Teilnehmer müssen sich auf der Webseite nicht registrieren und auch alle Daten, die für die Anmeldung notwendig sind, werden nach kurzer Zeit gelöscht. „Daten, die wir nicht haben, können uns nicht geklaut werden“, sagt Philipp. Wenn es nach ihm geht, soll es „Auf Haxe“ bald europaweit geben. Die neueste Idee des „Haxen“-Manns: Eine Gruppe namens „Recipeople“, in der man andere an seinen Kochkniffen teilhaben lässt und sich selber neue „Skillz“ holt.

Mitmachen beim „Haxen“-Jubiläum

Wer bei der „Geburtstags-Haxe“ am 9. Mai dabei sein will, muss sich bis zum 7. Mai anmelden. Ab 19 Uhr bitten Haxen-Liebhaber in ganz Berlin zu Tisch. Und ab 23.30 Uhr soll dann in einer Neukölln Bar so richtig Fünfjähriges gefeiert werden. Wo das genau sein wird, erfahren die Teilnehmer am Abend auf ihrer Speisekarte.

 

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